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Wochenplannewsletter #41

Geschätzte Pod-Nation!

Wieder Andre hier. Ich schreibe das direkt in die erste Zeile, weil einige von euch scheinbar die Ungewissheit nicht aushalten können, aus wessen Feder diese Zeilen fließen. Das ist kein Vorwurf, sondern Foreshadowing auf einen späteren Punkt, in dem es um Ambiguitätstoleranz gehen wird. Also, große Kunst, was ihr hier lest. Ein Setup, dessen Payoff euch auch noch direkt angekündigt wird, um die Spannung zu erhöhen. Quasi die Hitchcock'sche Bombe unter eurem Tisch. “Was? Ambiguitätstoleranz! Das ist ein verrückt kompliziertes Wort! Wie schlau ist bitte Andre und was hat er nur vor?! Und er hat “cock” gesagt! Chrrrr, chrr!”, denken gerade viele von euch und - HA! - genau das, war der Plan! Ihr seid ein Klavier und was ihr da spürt, sind meine Hände auf euren Tasten! 

Und wo ich schon dabei bin, auf euer Feedback und eure Gefühle Rücksicht zu nehmen, mach ich doch gleich weiter. Dereinst schrieb nämlich User “paulusapfel” im Forum, er habe keinen Bock auf meine Version des Newsletters, weil die Rubrik “Eine Meldung, Fünf Gedanken” gefehlt habe. Diese Scharte wetze ich jetzt aus, indem der ganze Newsletter nur aus “Eine Meldung, Fünf Gedanken” bestehen wird! Volksnähe? Überkorrektur? Bequemer Move, um wieder einen Newsletter mit der Diskussion aktueller Meldungen zu füllen? Ihr entscheidet! Ich hingegen, schreibe weiter und zwar hierüber: 

Die Untiefen von Subnautica 2 

Auch diese Woche musste eine Firma wieder eine dieser harten Entscheidungen treffen, die leider nötig sind, um fortwährenden Erfolg zu gewährleisten. Die Entscheidung diesmal: Die Führungsriege von Unknown Worlds, Entwickler das heiß erwarteten „Subnautica 2“, vor die Tür zu setzen. Und wie so oft, beginnt alles mit einem Report von Jason Schreier bei Bloomberg.

Die Geschichte bisher

Schreier berichtet folgendes: Krafton habe die Veröffentlichung von „Subnautica 2“ auf 2026 verschoben. Der Publisher sagt, dies sei wegen Feedback aus dem Playtesting geschehen, das dem Spiel unter anderem einen zu geringen Umfang attestiert habe. Durch die Verschiebung sei es aber für Unknown Worlds nun auch unmöglich geworden, Umsatzziele zu erreichen, die eine 250 Millionen USD schwere Bonuszahlung ausgelöst hätten. Da dieser Bonus laut Schreier Teil des Kaufvertrags  Laut Schreier hätte die gechasste Führungsriege geplant, diesen Bonus komplett mit dem Team zu teilen. Den Angestellten entgingen so Bonuszahlungen in Höhe von Hunderttausenden, teilweise sogar Millionen Dollar.

Schon eine Woche vorher hatte Krafton den Wechsel in der Führungsriege von Unknown Worlds bekannt gemacht. Man habe versucht, die drei Gründer von Unknown Worlds (Ted Gill, Charlie Cleveland, und Max McGuire) im Projekt zu halten, wünsche ihnen aber nun alles Gute. Ersetzt werden sie durch Steve Papoutsis, bisher der CEO von Striking Distance Studios („The Callisto Protocol“).

Charlie Cleveland, einer der drei Gründer, widerspricht Krafton – zuerst laut Schreier auf Social Media, nun auch in seinem Blog. Dort kündigt er an, was ab der ersten Zeile dieser Meldung zu erwarten war: einen Rechtsstreit. Das Team habe „aus tiefster Seele“ gewusst, dass „Subnautica 2“ bereit sei, für einen Early-Access-Release. Und er bekräftigt erneut, man habe geplant, den Earn-Out-Bonus mit dem Team zu teilen.

Dabei ist doch bekannt, dass das Crafting in Subnautica ewig dauert!

Auf die ersten Aussagen von Cleveland hin, entschloss sich dann auch Krafton plötzlich, zu einem ungewöhnlich harten Gegenangriff. Nicht nur, weil der Text die ehemaligen Geschäftspartner nach dem Maßstab der oft wolkig-unverbindlichen Unternehmenskommunikation ziemlich hart angreift, sondern auch wegen der aggressiven Art der Verbreitung: Neben direktem Kontakt zur Presse entschloss sich Krafton dazu, den Text jedem Besucher ihrer Webseite als Pop-Up zu präsentieren.

 Krafton behauptet darin, die Führungsriege habe nicht mehr wie vereinbart an der Entwicklung von „Subnautica 2“ mitgewirkt und sich stattdessen in Nebenprojekten verwirklicht. Charlie Cleveland, der seit 2023 private Filmprojekte verfolgt, wird hier im besonderen an den Pranger gestellt. Aber auch Max McGuire sei entgegen der Bitte von Krafton nicht auf seinen Posten als Technical Director zurückgekehrt. Wegen dieses unverantwortlichen Verhaltens, habe sich die Veröffentlichung von „Subnautica 2“ immer wieder verzögert.

Inzwischen wird das Pop-Up nicht mehr angezeigt.

Man plane außerdem, die den Mitarbeitern versprochenen Boni weiter auzuzahlen. Laut Krafton waren aber nur 10%, also 25 Millionen, direkt für Mitarbeiterbonis vorgesehen, die restlichen 90% wären an die Gründer gegangen. Man kann davon ausgehen, dass Krafton nun nicht vor hat, deren Versprechen einzulösen, auch den restlichen Betrag mit dem Team zu teilen.

Übers Wochenende sind dann “zufällig” auch noch zwei Screenshots einer internen Präsentation geleakt, die den Milestone-Review von Krafton im Mai zeigt. Ob die echt sind: unmöglich zu sagen. Sehen sie einigermaßen echt aus? Ja. Darin werden scheinbar der aktuelle Projektstand-IST-Zustand und der mit Krafton vereinbarte SOLL-Zustand verglichen. Und ehrlich gesagt: Von wem das geleakt wurde, ist nichtmal klar, denn jede Partei kann da rauslesen, was sie möchte. Klar wird nur, dass es da Diskrepanzen gab zwischen “war so geplant” und “bisher fertig”. Darüber scheint es aber nicht allzu ernsthaften Streit zu geben.

„Eine Meldung, 5 Gedanken“ - XXL-Version. 

1.      Das Krafton seine Message derart aggressiv in die Welt drückt, hat Gründe. Ich spekuliere hier mal über zwei. Erstens: Durch den Bloomberg-Bericht hat die ehemalige Führungsriege eine populäre Storyline etabliert: Gieriger Publisher verarscht arme Indie-Entwickler. Um hier mit der eigenen Version der Geschichte noch durchzustoßen, musste Krafton ordentlich reingrätschen und das haben sie getan. Und durchaus erfolgreich: Wenn man sich Diskussionen im Netz anschaut, dann sind viele Kommentatoren verunsichert, welcher Erzählung sie nun mehr glauben sollen. Manch einer argumentiert auch, dass ein großes Unternehmen wie Krafton sicherlich nicht ganz konkret lügen würde, weil es damit ja zusätzliche Klagen provoziert. Zweitens: „Subnautica 2“ war vor der ganzen Geschichte angeblich die Nummer #2 der Spiele, die auf den meisten Wishlists stehen. Man kann spekulieren, dass diese Statistik einen Knick nach unten zeigte.

2.      Viele Fans von Subnautica waren schnell dabei, die simple erste „Story“ zu akzeptieren, die sie dort herauslesen wollten: Indie-Underdogs gegen fiesen Publisher. Check. Kennen wir. Wussten wir. Die Schweine. Aber nach der Übernahme in 2021 sind auch die drei Firmengründer allesamt bereits Multimillionäre, also vielleicht nicht ganz die typischen „armen Schweine“. Weiter ist es logisch, dass Krafton vielleicht eine Verschiebung von „Subnautica 2“ anordnet, um sich dadurch um die Zahlung eines Earn-Out-Bonus zu drücken. Aber ist es nicht genauso logisch, dass die Gründer ein unfertiges Spiel in den Early-Access drücken wollen, um eben diesen Bonus einzustreichen? Dass das ganze Team behauptet, das Ding sei fertig, weil man ihnen eine Beteiligung an eben diesem Bonus versprochen hat? Und davon mal abgesehen: Was ist das für ein Vertrag, in dem sich Krafton aus seiner Zahlungspflicht herauswieseln kann, indem sie unilateral eine Verschiebung auf 2026 anordnen? Hätten Leute, die einen 500 Millionen Deal plus 250 Millionen Earn-Out vereinbaren, nicht bessere Vereinbarungen geschlossen? Kurz: Die Faustformel, dass es häufig der finanzkräftige Publisher ist, der kleine Entwickler über den Tisch zieht, ist schon korrekt. Bei einem großen Machtungleichgewicht, ist die stärkere Partei mit größerer Wahrscheinlichkeit auch die Arschlochpartei. Aber man sollte mit einem allzu überzeugten Urteil dennoch zurückhaltend sein.

3.      Wenn die Sache wirklich vor Gericht geht, können wir alle schonmal die Hände reiben. Gerichtsverfahren zwischen Publisher und Entwickler in den USA sind traditionell wegen der dortigen Transparenzgesetze eine Goldgrube um zahlreiche Interna zu erfahren. Zugleich erzeugt das aber auch immer Druck, sich eben doch vorher außergerichtlich zu vergleichen.

4.      Das Krafton verspricht, die Mitarbeiter-Boni weiterhin auszuzahlen, ist erwartbar, damit das Team zwei Dinge fest hält: Arbeitsplätze und das Maul. Freigesetzte Gründer haben die Angewohnheit, neue Firmen zu Gründen und Menschen abzuwerben, die eigentlich ein „Subnautica 2“ fertig machen sollen. Menschen, die immer noch Boni von Zehntausenden und Hunderttausenden Dollar mitnehmen können, erinnern sich auch leichter an die alte Weisheit: „Nicht den Kopf über die Blumen strecken, wenn du den Rasenmäher hörst“

5.      Beim Lesen von Reddit-Threads sah ich häufiger den Klassiker, dass die Wahrheit wohl „irgendwo in der Mitte“ liegen wird. Eine gute Gelegenheit um darauf hinzuweisen, dass das in vielen Situationen ein logischer Fehlschluss ist. Zur Veranschaulichung: Die Wahrheit zwischen „Der Himmel ist blau“ und „Der Himmel ist grün“, liegt nicht in der Mitte. Im konkreten Fall ist die Lage aber natürlich nicht so eindeutig. Beide Parteien haben bislang keine großartigen Belege für ihre Position vorgelegt.  Wenn es am Ende auf die Frage ankommt, ab wann „Subnautica 2“ wirklich „bereit für den Early Access“ ist, wird es darauf auch vielleicht gar keine eindeutige Antwort geben, egal aus wie tiefster Seele Charlie Cleveland und sein Team wussten, das Ding sei startklar. Nach Lage der Geschichte bisher gilt: Beide Parteien haben mindestens 225 Millionen Gründe, um Wahrheit zu verfremden, umzudeuten oder einfach glatt zu lügen. Eine gute Gelegenheit also, die eigene Ambiguitätstoleranz zu schulen. Das ist die Fähigkeit, mit Unsicherheiten und Widersprüchlichkeiten umzugehen. Die korrekte Antwort lautet in diesem Moment: Wir wissen nicht, was sich hier wirklich abspielt.  

Was wir sonst so machen

JR: Spielt “The Alters”, das neue Spiel der “This War of Mine”-Macher (11Bit Studios)

Andre: Kann wieder reden, bin also damit wieder “gesund genug” und der Meinung, Arbeit sei ja die beste Medizin. Die größte Gefährdung für meine Einsatzfähigkeit kommt nun von außen, denn seit Tagen werde ich terrorisiert von den Balkon-Sanierungsarbeiten die an meiner Wohnstätte laufen. Ich schlafe sowieso mal wieder schlecht und werde nun um 8 Uhr morgens zärtlich von einer Flex geweckt, von Pressluftmeißeln durch den Tag begleitet und habe nun eine noch klarere Meinung dazu, ob das Folter war, wenn Gefangene in Guantanamo mit lauter Musik beschallt wurden. 

Frei nach "Zurück in die Zukunft": Falls ich je in den Knast komme, bin ich immerhin schonmal an Gitter gewöhnt.

Seb: War in der vergangenen Woche Live-Podcasten auf den German Dev Days in Frankfurt und ist dabei wieder mit Menschen in Kontakt gekommen. Es wird vermutlich Wochen im Homeoffice-Entzug brauchen, bis er davon wieder “clean” ist.

Dom: Hatte große Pläne mit Paul, die durch größere Urlaubspläne seitens Paul überlagert wurden. Hat deswegen nun neue Pläne mit Paul. 

Jochen: Weiter im August zurück. Fragt sich vielleicht, wann und warum er denn bitteschön so einen mittelmäßigen Newsletter abonniert hat. 

Das Rätsel zum Sonntag: Nach den Verwerfungen durch Krankheit und Urlaube in den letzten Wochen, ist das weiterhin eher die Lotterie zum Sonntag. Aber gut, nach aktuellem Stand, folgender Heiku als Tipp für all die LOSER unter euch, die die Zukunft nicht einfach vorhersagen können, wie normale Menschen. Pf. Kein Wunder, dass ihr nie im Lotto gewinnt, ey: 

Alte Lehre, 

tragisch erzähltes Rätsel, 

Selbstvergessenheit


So! Aktuelle Meldungen gebracht, Volksnähe bewiesen, poetischer Abschluss - bester Newsletter der Welt confirmed. 

Vielen Dank für’s reinklicken und durchlesen!

Eure Pod-Crew

Wochenplannewsletter #41

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