SamuKata
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Was hilft gegen Selbstzweifel beim Schreiben?

Über gute Schreibtage freue ich mich. Im Idealfall bin ich ein Stück weitergekommen und am nächsten Tag geht mir das Schreiben etwas leichter von der Hand.
An manchen Tagen aber schleicht sich bei mir eine gewisse Unzufriedenheit beim Schreiben ein und ich fühle mich schlecht. Dieses Gefühl wird häufig von Fragen nach der Qualität des Geschriebenen begleitet: Ist meine Geschichte gut oder schlecht? Und selbst wenn sie gut sein sollte, ist sie dann auch »gut genug«?

Wenn du auch schreibst, kennst du solche Gedanken bestimmt. Sie können einem ganz leicht die Motivation und den Schwung beim Schreiben nehmen. Schon sitzt man da und grübelt.
Ein Weg, der mir dabei hilft, aus diesem Stillstand herauszukommen, ist eine Änderung des Blickwinkels. Sind diese negativen Gefühle und Selbstzweifel gerade hilfreich? Natürlich nicht. Vielleicht sind sie ein Ausdruck meines Wunsches, einen guten Text zu schreiben. Vielleicht steckt die Sorge dahinter, der Idee nicht gerecht werden zu können. Woher auch immer diese Emotionen kommen, sie sorgen für Stillstand. Und sie bewerten etwas, das noch gar nicht fertig ist.
Aus diesen schlechten Gefühlen lässt sich kein Handeln ableiten. Sie sagen mir nicht, was ich besser machen kann. Sie geben mir das Gefühl, mich an einem Ort außerhalb der Zeit zu befinden. Ohne Selbstwirksamkeit, ohne Hoffnung auf Besserung. Dabei ist diese Hilflosigkeit eine Illusion.
Versteht mich nicht falsch, auch schlechte Gefühle dürfen sein. Ich halte nichts von Toxic Positivity. Doch wenn ich am Schreibtisch sitze und an meinen Texten arbeite, kann ich keine Gedanken brauchen, die mich lähmen und mich vergessen lassen, dass es immer einen nächsten Schritt gibt, den ich tun kann.
Viel sinnvoller als eine Bewertung des bisher Geschriebenen erscheint mir deshalb eine Betrachtung der Arbeitsschritte, die noch vor mir liegen. Was muss konkret noch alles gemacht werden bis zur nächsten Fassung? Und wie viel Zeit brauche ich ungefähr dafür?
Es hilft mir beim Schreiben nicht weiter, ein schlechtes Gefühl zu haben und mich unzureichend zu fühlen, denn es lässt sich keine Handlung daraus ableiten.

Schlechte Gefühle sind nicht »actionable«, denn das Was und Wie der Handlung sind nicht geklärt. »Schlecht« ist bloß ein vages Gefühl. Es ist nicht objektiv messbar und selbst wenn man es ins Gegenteil verkehrt, etwas besser machen zu wollen, ist noch keine konkrete Zielsetzung. Noch sind Was und Wie unklar.
Daher hilft es mir, in solchen Situationen den nächsten Arbeitsschritt vor Augen zu haben, den ich auf dem Weg zum fertigen Text erledigen muss. Ein grober Zeitplan für mein Schreibprojekt kann dabei ebenfalls hilfreich sein. So sehe ich auch an schlechten Tagen, dass ich zuvor bereits Fortschritte gemacht habe. Ein schlechter Schreibtag ist kein Weltuntergang, solange ich nicht aufgebe.

Ich kann mich zwar nicht vollkommen von diesen negativen Gefühlen lösen, aber ich kann sie erkennen und mich dann bemühen, etwas Sinnvolles zu tun, um meinem Ziel näher zu kommen. Ziel einer Rohfassung ist es beispielsweise, die Geschichte zu Ende zu erzählen. Dabei ist alles erlaubt, was die Handlung weiterbringt. Erst mit einer Rohfassung in den Händen wird eine Überarbeitung sinnvoll. Vorher kann ich nicht wissen, was die Geschichte braucht und wo es hakt. Denn ich kenne ja noch nicht einmal die ganze Geschichte.

Wie es nach der Rohfassung weitergeht

Habe ich dann eine Rohfassung, ist das Feedback meiner Erstleser*innen für mich eine wertvolle Richtschnur für die Überarbeitung. Zusätzlich hilft es mir, eine kritische Distanz zu meinem Text einzunehmen. Während ich auf das Feedback warte, habe ich außerdem Zeit, mich eine Weile mit etwas anderem zu beschäftigen.
Gerüstet mit den Eindrücken der Erstleser*innen und einer gewissen Distanz zu meinem Text, erstelle ich einen Änderungsplan mit eventuell offenen Fragen und Priorisierungen. Mit Priorisierung meine ich, dass die umfangreichsten und wichtigsten Änderungen zuerst gemacht werden. Ich erstelle eine Liste, an die ich mich halte. Damit geht es an die Überarbeitung.
Ich halte mich an den Plan. Auch wenn sich ein schlechtes Gefühl einschleicht, der Plan sagt mir, was als Nächstes gemacht werden muss.

Wie schon bei der Rohfassung, ist es auch bei der Überarbeitung sinnvoll, die Geschichte einmal ganz durchzuarbeiten und nicht auf der Stelle zu treten, falls etwas noch nicht ganz rund ist. Das ist dann eine Aufgabe für den nächsten Durchgang.

Kurz

1) In der Rohfassung erzähle ich mir selbst die Geschichte. Alles ist erlaubt, was die Handlung weiterbringt.

2) Mit Feedback von Erstleser*innen und einer gewissen Distanz zu meinem Text erstelle ich einen Überarbeitungsplan.

3) Ich arbeite mich komplett durch die Geschichte, im Zweifelsfall halte ich mich an die Priorisierungen im Überarbeitungsplan.

4) Maßstab meiner Arbeit ist der erforderliche Aufwand bis zur nächsten Fassung und nicht wertende Fragen nach »gut« oder »schlecht«.

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Sehr gerne. Freut mich, dass er dir gefällt.

Starcat

Danke für den tollen Beitrag!


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